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Besuch in der Schulsternwarte | 02/2026

Besuch in der Schulsternwarte | 02/2026

Im September 2025 konnte die Sternwarte mit Beginn der Beobachtungssaison auf einen ganz besonderen Besuch zurĂĽckblicken. Der daraus entstandene Artikel ist im Rahmen des EVR-Magazins erschienen.

Zum vollständigen Artikel: https://www.ev-rudolstadt.de/unternehmen/evr-magazin

Zwei, die ganz weit blicken lassen – Besuch in der Schulsternwarte

„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

Josefin Sperling (28) und Bernhard Giller (65) haben zum Universum eine ganz besondere Beziehung – beide sind (unter anderem) Lehrer für Astronomie (ein Unterrichtsfach, das in Thüringen abgeschafft wird). Und beide eint die Liebe zur Lehre von den Himmelskörpern und den physikalischen Vorgängen im Weltall.

Und noch etwas haben die beiden Lehrer des Gymnasiums Fridericianum Rudolstadt gemeinsam – sie lehren an der Sternwarte der Schule, begeistern Schüler und andere Interessierte. Hier, am westlichen Rand der Residenzstadt, findet sich der Flachbau mit dem kleinen Turm, dessen charakteristische drehbare Kuppel aus Holz und Kupferplatten und der großen Luke, durch die man in den Himmel schauen kann. Fast wie der große Bruder in Jena, nur ein wenig kleiner…

Die Geschichte der Sternwarte ist fast filmreif. 1969 von einem visionären Lehrer namens Hermann Hilbert mit Schülern errichtet – auf dem Fundament eines alten Flak-Messstandes – war sie Teil eines DDR-weiten Netzes schulischer Beobachtungsorte. Heute ist sie eine der wenigen noch aktiven Schulsternwarten in Thüringen (neben Sonneberg, Meiningen). Sie lebt vom Engagement Einzelner – und vom Staunen der Besucher (nicht nur Schüler, auch interessierte Erwachsene).

„Im Anfang war nichts, und es explodierte.“

Terry Pratchett, Fantasy-Schriftsteller

Mehrere hundert Schüler aus Rudolstadt und dem Landkreis besuchen die Sternwarte während der Schulstunden – Grundschüler, Regelschüler, Gymnasiasten. Und natürlich die Schüler des Fridericianums, für die Astronomie ab der zehnten Klasse auf dem Lehrplan steht. Alle 14 Tage, immer freitagabends, ist die Sternwarte für Besucher offen. Lässt der Himmel es zu, wird beobachtet und erklärt – bei wolkenverhangenem Himmel wird Wissen durch Vorträge vermittelt.
Bernhard Giller, ein gebürtiger Rudolstädter, ist seit 40 Jahren Lehrer – Geschichte, Geographie und Astronomie. Seit 2012 leitet er die Schulsternwarte: „Viele Schüler sind begeistert, wenn wir ihnen den Himmel über ihren Köpfen erklären. Wir machen hier keine wissenschaftliche Arbeit, wir versuchen den Schülern und interessierten Besuchern die Astronomie unterhaltsam zu verdeutlichen. Wir müssen verständlich erklären, was man da oben sieht.“
Die Ziele: Orientierung am Sternenhimmel zu vermitteln, Verständnis für das Sonnensystem und grundlegende astronomische Prozesse zu fördern. Themen sind u.a.: Sternbilder, Planeten, Sonnenenergie, Lebenszyklen von Sternen, schwarze Löcher, Gravitationswellen, kosmische Expansion und und und…

„Das Universum dehnt sich aus. Das beunruhigt mich.
Wenn es sich ausdehnt, wird es irgendwann auseinanderreiĂźen, und dann ist Schluss mit uns.“

Woody Allen, Schauspieler und Regisseur

Bernhard Giller: „Mich fasziniert die Astronomie, weil sie als Wissenschaft so dynamisch ist, weil es immer wieder neue Erkenntnisse gibt. Was in den letzten Jahren an Wissen dazu gekommen ist, ist schon ziemlich krass. Alleine die Tatsache, dass das Universum expandiert, ist so eine Erkenntnis, die bis vor wenigen Jahren nicht als gesichert galt. Nur warum expandiert es? Es gibt noch so viele offene Fragen…“
Mit Beginn des neuen Schuljahres hat Josefin Sperling die Leitung der Sternwarte von Bernhard Giller übernommen, der seine Rente genießen will. Sie unterrichtet am Fridericianum Mathematik, Geographie und Astronomie. „Ich habe zuerst in Jena unterrichtet, und als ich gehört habe, dass die Sternwarte einen Nachfolger für Herrn Giller braucht, habe ich mich beworben. Für mich ist damit ein kleiner Traum wahr geworden.“ Bernhard Giller: „Ich bin froh, wenn jemand übernimmt, der nicht nur Pflichtstunden zählt, sondern mit dem Herzen dabei ist“, sagt er.

Denn auch die junge Frau ist von der Astronomie fasziniert: „Ich finde es spannend, dass wir die Sterne, die wir sehen, nicht erreichen können. Astronomie ist eine der ältesten Wissenschaften und dennoch ist so vieles nicht entdeckt.“ Bernhard Giller ergänzt: „Jeder Blick ins Weltall ist auch eine Reise in die Vergangenheit.“ Josefin Sperling: „Von der Erde ins Universum zu blicken, diese unendliche Weite zu spüren – das ist schon unglaublich faszinierend. Es sind unvorstellbare Dimensionen und dennoch – ich kann sie sehen.“

„Wenn du dich mal klein fühlst, denk daran:
Du bist aus Sternenstaub gemacht und das Universum hat Milliarden Jahre gebraucht, um dich zu erschaffen.“

Unbekannt

Vier Teleskope mit verschiedenen Brennweiten stehen dafür zur Verfügung. Die Sternwarte überlebt – wie so vieles – durch Ehrenamt und Idealismus. „Die Geräte hier oben“, sagt Giller und deutet auf das große Teleskop, „haben wir durch Spenden gekauft. Es war nie viel Geld da, aber es gab immer viel Begeisterung.“ Zehn bis zwölf aktive Schüler sind bei der Sternwarte an Bord, auch Ehemalige engagieren sich.

Das Engagement wird weitergehen, auch wenn in zwei Jahren die Astronomie in das Fach Physik einfließen und damit wahrscheinlich an Bedeutung verlieren wird. Die beiden Lehrer macht das nachdenklich. „Astronomie ist keine bloße Nebensache“, sagt Bernhard Gillers, „das ist eine Weltbildung.“ Und Josefin Sperling sagt: „Viele Schüler können kaum abwarten, wenn sie ab Klasse zehn mit der Astronomie beginnen können. Das darf man ihnen nicht nehmen.“

Text: Henry Köhlert, September 2025

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